Die Galerie Andreas Grimm München freut sich, Ihnen eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Matt Saunders anzukündigen.
Matt Saunders’ Werk bezieht sich auf Filme, beschränkt sich dabei aber nicht auf die Geschichte dieses Mediums. Es beschäftigt sich vielmehr mit unserem Sehverhalten als Zuschauer von Filmen, damit, wie wir uns mit ihnen identifizieren, mit ihnen leben und sie über die Jahre immer wieder neu erfahren. In Form von Malerei, Zeichnung, Kurzfilmen und Fotografie erweist sich Saunders’ Annäherung gleichermaßen als analytisch wie als persönlich - das Werk entwickelt seine eigene Geschichte, sowohl hinsichtlich der Materialien als auch der Themen.
Vor diesem Hintergrund zeigt Matt Saunders in der dritten Einzelausstellung, die er in der Galerie Andreas Grimm realisiert, eine neue Serie fotografischer Arbeiten. Die Fotografien sind allerdings keine Abzüge traditioneller Negative, sondern wurden direkt von „Negativen“ abgezogen, die der Künstler mit Tinte auf transparente Mylar-Polyesterfolie gezeichnet hat.
Bei der Serie, die den dritten Teil eines Werkkomplexes bildet, mit dem sich Saunders seit über einem Jahr beschäftigt, handelt es sich um ein Porträt der deutschen Schauspielerin Hertha Thiele (1908-1984). Als Saunders vor einigen Jahren nach Deutschland zog, kannte er Hertha Thiele durch ihre Auftritte in den Filmen "Mädchen in Uniform" (1931) und dem einzigen Film von Bertolt Brecht "Kuhle Wampe" aus dem Jahr 1932. Es waren die ersten Filmrollen der damals 22-jährigen Thiele, die, wie Saunders mit Erschrecken herausfand, bald darauf in der Versenkung verschwand. Thiele war 1937 in die Schweiz emigriert, wo sie nicht als Schauspielerin arbeiten durfte. Erst nach ihrem Umzug in die DDR in den späten sechziger Jahren war ihr eine mittelmäßige Karriere vergönnt, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1984 anhielt. Saunders’ Arbeit beschäftigt sich mit der Suche nach diesen öffentlichen Bildern, die von Thiele geblieben sind und den Endpunkt einer Lücke darstellen, die über dreißig Jahre gewährt hatte. Letztes Jahr publizierte Saunders ein Künstlerbuch, in dem er die inzwischen vergriffene Biografie von Thiele wieder veröffentlichte und mit seinen eigenen Bildern herausgab.
Im vergangenen Juni realisierte er für die Art Basel Statements eine mehrteilige Foto-Installation. Sie basierte auf „Negativen“, die er über die Karriere Hertha Thiels gezeichnet hatte. Im Zentrum seiner Installation stand eine Reihe von Lücken oder plötzlichen Schnitten. Zudem wurde deutlich, dass die Bilder immer wieder be- und überarbeitet worden waren.
Die jetzige Ausstellung ist Matt Saunders’ dritte Annäherung an ein Porträt Hertha Thieles. Sie orientiert sich an Kürzungen, die durch die Zensur der originalen Fassung von "Kuhle Wampe" entstanden waren. Saunders zeigt Arbeiten, die aus seiner Installation in Basel „herausgeschnitten“ wurden" fertige Arbeiten nämlich, die nicht gezeigt und Ideen, die nie vollendet wurden. Der „Zensor“ ist hier also nicht nur das wechselvolle Schicksal von Hertha Thiele, sondern auch Matt Saunders selbst.
Wenn Sie weitere Informationen wünschen, kontaktieren Sie bitte die Galerie unter +49 89 388 59 240 oder per email an
Andreas Grimm Munich is pleased to announce an exhibition of new works by Matt Saunders.
Saunders’ work is drawn from films, but not only concerned with the history of that medium. His work engages with our spectatorship of the movies - the way that we identify with them, live with them and experience them over time. Taking the form of painting, drawing, short films, and photography, Saunders’ work takes an approach that is at once analytic and personal, building its own history, both of materials and of subjects.
For this, his third solo exhibition with the gallery, Saunders will show a new series of photographic works. The photographs are not printed from traditional negatives, but rather are printed directly from 'negatives' drawn by the artist with ink on transparent mylar.
This series of work is a portrait of the German actress, Hertha Thiele (1908-1984), and the third part of a series that has occupied the artist for well over a year. When Saunders moved to Germany several years ago, he knew Hertha Thiele from her performances in the films 'Mädchen in Uniform' (1931) and 'Kuhle Wampe' (1932), the only feature film made by Bertolt Brecht. These were Thiele’s first two films, made when she was 22 years old, and he was shocked to find her more or less missing from the record after that. In 1937, Thiele had moved to Switzerland, and was unable to work as an actress there, and only in the late 1960’s, she moved back to the DDR and had a modest career, until her death in 1984. Saunders’ work is concerned with his search for these public images that remain, images that bookend a thirty-year gap. Last year, he produced an artist’s book, republishing the only (out of print) biography of Thiele, re-edited with his own images.
This past June, for Art Basel Statements, he created a layered installation of photographs made from 'negatives' he’d drawn based on the span of Thiele’s career. At the center of this installation was a series of gaps or sudden cuts, as well as the activity of re-visiting or re-drawing an image again and again.
This exhibition is Saunders’ third approach to portraying Thiele, and takes its cue from cuts famously made by the censor to the original version of 'Kuhle Wampe'. Saunders shows works that were 'cut' from his installation in Basel - both finished works that were not shown and ideas that were never completed. Thus, the 'censor' here is not only the vicissitude of Thiele’s life, but also Saunders himself.
For further information please contact the gallery at +49 89 388 59 240 or by email